Johannes Kühn

Zitate zu Johannes Kühn

Johannes Kühn

„Ein Hölderlin-Schicksal mit gutem Ausgang“
Ludwig Harig, Autor und Freund

„Wer vergessen haben sollte, was Poesie ist – hier erfährt er es wieder.“
Reiner Kunze in der Mitteldeutschen Zeitung vom 10. Dezember 1997

„Seine bedeutenderen Verse kommen von sehr weit her, und es tönen auch hörbar himmelhoch erhabene und sternenweit entrückte Stimmen in ihnen nach, der Klopstock der „Frühen Gräber“ zum Beispiel („Den Auferstehungston, wo find ich ihn?“), der Hölderlin der „Späten Hymnen“ („Nun mit den Raben am Tisch des Lands und klagend / sie nach Brot / ich nach Freundschaft“), der „Gesang der Abgeschiedenen“ von Georg Trakl („von guter Hand sind den Fluß entlang / milde Bilder gereiht“), woraus sich natürlich leicht ein erlesener literarischer Traditionsfaden spinnen läßt, was wir aber lieber mit Berührungsmagie und poetischem Aneignungszauber in Verbindung bringen möchten.“
Peter Rühmkorf in der ganzseitigen Besprechung von „Ich Winkelgast“. Die ZEIT vom 14. September 1990

„Die Gedichte reflektieren das Leben in seiner Vielfalt und oft in Zusammenhängen, die von der Mythologie bis zur Welt der volkstümlichen Erzählungen reichen. Themen, die sich auf die Jahreszeiten, die Stunden des Tages, die Natur, die Umgebung des Dorfes und der Feldflur beziehen, verflechten sich mit den Erlebnissen, den Gedanken und den unrealisierbaren Möglichkeiten des Lebens. Dieser Mannigfaltigkeit der Register entspricht eine große Vielfalt von Formen, die von umfänglichen bis zu kurzen Gedichten reicht, von Gedichten ohne Reim bis zu jambischen Strophen und Hexametern. Sein Ton schwingt zwischen dem Hymnischen und der Ironie und dem Humor, und seine Gemütsskala zwischen der Klage des Einsamen und der Identifikation mit den an den Rand Gedrängten, wobei er eine kritische und niemals sentimentale Position einnimmt.“
Der spanische Dichter, Hochschullehrer und Übersetzer José Luis Reina Palazón

„Die Dinge wußten nicht, was der einsame Spaziergänger von ihnen hielt. Sie waren nutzlos, würdelos, und sie fanden sich häßlich: der Kiesel kam sich blöd vor, der Baum eitel und dumm in seinem bewegten Blätterkleid, der Himmel war beleidigt, weil durch ihn hindurchgesehen wurde. Erst als der Dichter Kühn sie wieder sah und anschaute, fühlten sie sich wieder als bedeutende Teile der Welt.“
Michael Krüger, Dichter und Verleger des Hanser Verlages, in einer Festrede auf Johannes Kühn

„ … die Stücke von Johannes Kühn sind in einem unmittelbaren und in einem mehr übertragenen Sinne vollständig wahnsinnig. Zum Teil habe ich mich an Achternbusch erinnert gefühlt, zum Teil haben sie in ihrer ausgefeilten Kleinmeisterei Kroetz`sche Züge, aber immer, wenn man bedenkt, jetzt hat man den Faden gefunden, mit dem man das Stück aufrebbeln kann,, triumphiert wieder der helle Wahnsinn. Das muß gespielt werden.
Michael Krüger am 21. November 1989 in einem Brief an Benno Rech

„Es bedarf keiner Prophetie: Dieser Dichter, der von weit her kommt, wird weit zu gehen haben. Seine leise Stimme wird den literarischen Tageslärm übertönen und überdauern.“
Der Lyriker, Lektor und Herausgeber Wulf Kirsten am 8. November 1991 in einer Rede zur Verleihung der Ehrengabe der Schillerstiftung an Johannes Kühn

„Dieser zurückhaltende, brüderliche Dichter knüpft an die beste deutsche Lyrik an, die von Eichendorff (´Schläft ein Lied in allen Dingen`) Hölderlin, Mörike, Trakl und in jüngster Zeit bis Peter Huchel reicht.“
Joel Vincent, Übersetzer von „Mit den Raben am Tisch“ und „Wem gehört der lange weiße Wolkenzug?“ ins Französische

„Die größte Ehre aber widerfuhr Johannes Kühn in Frankreich. Nicht wenige seiner Gedichte wurden in eine zweisprachige Anthologie deutscher Poesie aufgenommen, die in der ´Bibliotheque de la Pléiade` erschien, was beinahe wie eine Aufnahme des Autors in den Klassikerhimmel gelten kann. Ein Poet zwischen Pléiade und Provinz“.
Jochen Hieber in der FAZ vom 6. Februar 1999

„Die Friedlichkeit seiner Dichtung hat eine unmittelbare Wirkung, wie wir sie vordem nicht erfahren haben. Sie ist das gute Beispiel dafür, dass es einem Menschen gelingt, die eigenen Schwachheiten und Schmerzen umzuwandeln ins Wunderbare, ins Tröstliche“
Mitsuo Iiyoshi, der Übersetzer von „Ich Winkelgast“ ins Japanische in der Tageszeitung „Asahi Shimbun“ vom 18.01.1993

„Dieser Dichter ist wirklich einer vom Schlage Hölderlins – wie Hölderlin von der Gewalt der Musen geschlagen und wie er (oder Rimbaud oder Campana) bedingungslos und ´alternativlos` in der Poesie lebend.“
Edoardo Costadura, Übersetzer und Romanist an der Uni. Jena

„Für mich sind es Gedichte, die in die Seele der Dinge dringen, ins Gemüt der Kreatur, Gedichte, die mit wenigen Strichen Leib und Gesicht der Landschaft zeigen. Ihre Sprache ist einfach, Heidegger würde sagen: Sie ist ins Einfache gesteigert. Johannes Kühns Verse lassen sehen und fühlen, wie einem zu Mute ist, wenn er liebt oder wenn er hasst, wenn er froh ist oder betrübt. Und darum geht es.“
Der Schriftsteller Sebastian Kleinschmidt, langjähriger Chefredakteur der Literaturzeitschrift „Sinn und Form“

„Es ist deswegen auch dies angemessen: dass Johannes Kühn neben den großen Auszeichnungen, neben dem Hermann-Lenz-Preis (jetzt wieder Petrarca-Preis) und dem Hölderlin-Preis etwa, auch einen Wanderweg durch seine Gegend gewidmet bekam, dass er in saarländischen Schulen liest, dass er Ehrenbürger der Gemeinde Tholey wurde und dass er noch immer seine Runden um den Schaumberg zieht.“
Thomas Steinfeld in seiner Würdigung zum 80. Geburtstag in der Süddeutschen Zeitung

„Als ich diese Gedichte das erste Mal sah, das heißt, es handelte sich um ein Gedicht, wusste ich überhaupt nichts von ihm … Das war das Gedicht ´Herbst`, und das fiel mir also auf, … Es machte den Eindruck, dass hier eine Stimme ist, die man so noch nicht gehört hat. … wir hatten also beschlossen, in der Zeitung (FAZ vom 7. März 1991)… eine ganze Zeitungsspalte zu drucken von dem Johannes Kühn, und nun waren die Reaktionen der Leser eben auch anders, als sie sonst sind, und sie waren so, dass tatsächlich auch Leute – sogar eine ganze Reihe von Leuten anriefen und fragten, was es damit auf sich hat. Das alles sagt nur, und das ist in der Tat noch nicht in dieser Weise passiert, da ist irgendetwas geschehen, da ist irgendein Ton getroffen.“
Frank Schirrmacher in einer Podiumsdiskussion mit L. Harig, A. Astel, I. u. B. Rech in der Feuerwache, Saarbrücken, vom 30.11.1991 (wiedergegeben als Mitschrift der Aufzeichnung des Saarländischen Rundfunks)

„Aus Johannes Kühns Gedichten steigt wahrhaft eine ´Seelenlandschaft` empor, die mir vertraut ist. In den insgesamt 21 Lyrikbänden stehen echte Wortkunstwerke, die belegen, daß Johannes Kühn ein Lyriker von großer poetischer Kompetenz und Sprachkraft ist. Seine Gedichte sind das geglückte Ergebnis spontaner Inspiration und in Jahrzehnten ausgereifter Zusammenarbeit mit Benno und Irmgard Rech. Sie spiegeln das Leben in großer Vielfalt und sind eingespannt in einen Kontext, der von der Natur, der Arbeitswelt und Landschaft des Schaumberger Landes über Mythologie und biblische Stoffe bis hin zur Banalität alltäglicher Gewohnheiten reicht. Im Bannkreis des Schaumbergs streift Kühn den Theelbach entlang, zieht er seine „Wanderkreise“, auf denen seine Verse entstehen.“
Prof. Dr. Birgit Lermen, Germanistin aus dem Nachbarort Theley
Von ihr stammt auch der ausführliche Artikel im „Kritischen Lexikon zur deutschsprachigen Gegenwartsliteratur“ zu Johannes Kühn.

„Mein Kulturereignis 2000 war, dass ich Johannes Kühn für mich ganz persönlich entdeckt habe. ´Mit den Raben am Tisch` bekam ich vor einiger Zeit in die Hand. Ich hab mich noch nie so sehr mit Lyrik befasst, aber dieses Buch hat mich nicht mehr losgelassen.“
Heiko Maas, Bundesjustizminister, damals Vorsitzender der SPD Saar und kulturpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion in der Saarbrücker Zeitung vom 30./31. Dezember 2000 / Neujahr 2001

„Johannes Kühn ist ein Glücksfall für das Saarland. Sein Renommee als international anerkannter Dichter, dessen Werke auch in viele Sprachen übersetzt wurden, ist natürlich hervorragende Imagewerbung für unser Land. Sein Heimatdorf Hasborn spielt seit jeher eine zentrale Rolle in seinem gewaltigen Oeuvre. Johannes Kühn schildert in seinen Gedichten, einige davon sind in Mundart geschrieben, die saarländische Lebensart und die Menschen, die hier leben. Damit zeigt er seine tiefe Heimatverbundenheit und setzt gleichzeitig ein literarisches Denkmal für das Saarland.“
Peter Müller, damaliger Ministerpräsident des Saarlandes zum 75. Geburtstag von Johannes Kühn

„Johannes Kühn bin ich bei einem Besuch im Saarland begegnet und war von diesem bescheidenen, tiefsinnigen und liebenswerten Menschen beeindruckt.
Seine Gedichte werden von denen, die sich mit Poesie auskennen, außerordentlich geschätzt. Manchmal gibt es Veranstaltungen im Schloss Bellevue, bei denen Gedichte gelesen werden – und darunter sind immer wieder auch Werke von Johannes Kühn.
Ich bin froh, dass es Johannes Kühn gibt. Ich bin froh, dass er uns immer wieder seine ganz besondere Sicht auf die Welt zu lesen gibt. Ich bin froh darüber, dass in unserer Kulturnation auch die leise Stimme von Johannes Kühn gehört wird.“
Bundespräsident Horst Köhler zum 70. Geburtstag von Johannes Kühn

Viele der Zitate stehen in: „Johannes Kühn. Der Dichter aus dem Dorf.“ EntdeckerMagazin 001, editionschaumberg 2009. Herausgegeben von Klaus Brill, Irmgard und Benno Rech, gestaltet von Thomas Störmer.