Johannes Kühn

Johannes Kühn

Die Betrunkenen und ich

Ich,
der ich nicht wie mein Vater Berghauer bin,
nicht die Arbeit des Tags
mit ihren Schultern trage
im Dorf, bin von ihnen
ins Unrecht gesetzt,
und die Betrunkenen im Gasthaus lallen es laut
und speien den Vorwurf: Was, Verse!
Es reicht ein einziger nicht,
und hundert gebündelt werden kein Strick,
nur anzubinden ein Huhn.
Was nützt ein guter Satz im Takt der Meister,
und wem der Holpervers erst, den du verzapfst,
armer Irrer, trink Bier,
daß die Lippe genetzt zu einer Frau taugt im Nachtbett,
und Kinder sollen Ergebnis sein vom Takt deines Leibs,
wir haben fünf und sieben, sind Männer,
du Elendsesel!

Was: Apfelbaum in Blüten!
Und dann entzückt sein und davon plappern!
Ach, dir gehört kein Grashalm,
kein Haselast!
Du mußt dir die dünnen Nüsse fast stehlen
im Herbst, Tagdieb!

Zum Arschabputzen
taugt Papier noch besser,
das du beschreibst.

Wenn zu Gemeindelasten
dein Kadaver zum Friedhof kommt,
ist auch die letzte Puste
um deinen Namen geweht!

O Herr, ich bin arm.
Die Betrunkenen sagen die Wahrheit,
denn sie liegt nicht im Wein allein,
in seinem Bruder,
dem Bier auch,
nur härter.
Doch Verse schrieben auch die Psalmisten
und pflanzten kein Korn.
Hab Mitleid!