Johannes Kühn

Johannes Kühn

Ein Hirt

Ich sorg für der Schafe Taggenügen
und such den Grasaufbruch
in Weiden,
ich lieb das Frühjahr,
das die Hungerzungen
meiner Lämmer heilt,
ich lieb des Mondes Öl,
die Quellen unterm Berg,
in die es fällt.

Zeit hätt ich schon, um meine Tiere zu benamen.
Doch hüt ich lieber namlose Lämmer und Träume.
Wandergelände eröffnet das Land und hat
den Blitz, den jähen: Überraschung oft
in Bild und Tag,
der spritzt aus dem Gelenk ihm,
darin sonst Ruhe wohnt.

Ich bin bei meinen Schafen
und muß nicht reisen
zu einem Zirkus,
zu keiner Kirmes, ich bin der aufgereckte Pfahl
zu aller Jahreszeit, mich reizt kein Festmahl
in der Stadt, an dem ich teilzunehmen hätt.

Viel Regenbogenbündel
und Wolkenspiele
sammle ich,
das sind meine Filme.

Zu meinem Konzert
schnaub ich tönend Atem,
summ ich wie die Mücke.

Neben meinem Hund bin ich ein Mann mit Stecken.
Doch kann in meinem zahmen Hut
ein Sperling nisten,
der grob verlachte Frosch
in meiner Hand ganz zeitfaul ruhn,
so bin ich gewogen
Verachteten.