Johannes Kühn

Johannes Kühn

Das Hausschwein

Es ist kein Stimmbandwunder,
hat keinen Stimmbandriß.
In der Rüsselschnauze,
im Speckhals, mein ich,
hat es Trompeten,
mächtige.

Sie dröhnen durch den Stall
am Abend, wenn das Tier
der Hunger sticht
sehr schmerzend
wie ein Metzgermesser.
Der Bauer kommt,
hemdsärmlig,
und es begibt sich Wichtiges,
sodaß er laut mit seiner Zunge schnalzt.
Er schüttet Fressen,
wohlriechende Kartoffeln,
gut gewärmte,
Brotkrusten,
braun in Quark,
in die Futtergrube.
Es platscht
aus großem Topf
und füllt den Steintrog,
was er gekocht.

Das wird Festfleisch,
Werktagsbraten,
das werden Würste
und Speck
und Schinken,
zweifle nicht!
Die magren Tage sind verdammenswert!
Friß, Schwein,
begabe deinen Leib
mit vielen Zentnern
lebendem Gewicht, sodaß die Waage birst,
wir duldens.

Zwei Jahre sollst du leben
ohne Namen
als Hausschwein
und jeden Tag besucht
vom Fütterer,
leg dich hin,
weiß wie ein geschältes Eichbaumstück
von einem hundertjährgen Baum,
ruh,
ruh und bemühe dich um nichts
als nur um Futter,
schwitz kein Fett aus deinen Poren,
wir dankens dir.